Unerwartete Kündigung per Post und ohne Gespräch – und nun?

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5 Schritte, um wieder zu sich selbst zu finden

Es läuft ganz gut in der Firma, könnte besser sein, aber Sie haben sich arrangiert. Woanders ist es vielleicht auch nicht besser….Und dann das: Nichtsahnend öffnen Sie abends zuhause einen Brief Ihrer Firma und können nicht fassen, was Sie da lesen: Ihnen wurde gekündigt! Und niemand hat vorher mit Ihnen gesprochen….was kann Ihnen helfen, mit einer solchen Situation umzugehen?

Hinweis: Hier geht es nicht um rechtliche Lösungen, sondern um Unterstützung durch Coaching.

1. Zunächst einmal: Dass ein solches Vorgehen seitens Ihrer Firma unmenschlich und unfair ist, braucht hier nicht weiter vertieft zu werden. Jeder Mensch kann von seinem Unternehmen erwarten, dass die Führungskräfte persönlich mit ihm sprechen, sobald eine solche Entscheidung gefallen ist. Vor allem von Unternehmen, die Werte wie Respekt, Menschlichkeit oder Toleranz in ihrer Unternehmenskultur pflegen.

Was können Sie also als Erstes tun? Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden, sagen Sie, dass Sie erstmal Luft ablassen müssen, dass sie wütend sein möchten. Bitten Sie darum, Sie zu diesem Zeitpunkt mit Ratschlägen zu verschonen. Lassen Sie sich unterstützen, indem Sie alle gemeinsam auf diese Ungerechtigkeit schimpfen. Wenn Ihnen die Tränen kommen, ist das auch in Ordnung.

Wenn Sie das nicht gut können, weil Sie eher ein Mensch sind, der sich in so einer Situation zurückzieht, dann nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Kopf kommt: Dass Sie fassungslos sind, dass Sie doch immer alles gemacht haben, dass Sie das nicht verstehen, dass Sie Angst vor der Zukunft haben usw..

Egal wie Sie reagiert haben: Machen Sie eine Liste, wie es weitergehen soll: Was muss in Ihrem Betrieb geklärt werden, z.B. mit Kollegen, Aufträgen, Projekten? Versuchen Sie sachlich alles zu bedenken, um für sich klar zu sein und um Ihre Zukunft nicht zu gefährden.

Und dann, egal wie Sie alles losgeworden sind, sprechen oder denken Sie an diesem Abend nicht mehr darüber (auch wenn´s schwer fällt!), sondern machen etwas, was Ihnen Freude macht: Einen schönen Film gucken, mit netten Menschen essen gehen – Hauptsache, es lenkt Sie erstmal ab und lässt Sie nachts schlafen.

2. Der nächste Tag: Sammeln Sie all Ihre Kräfte zusammen und gehen Sie zur Arbeit (falls Sie nicht freigestellt wurden). Führen Sie ein Gespräch mit Ihren Kollegen und nutzen Sie dafür Ihre Liste: Wie soll es mit Kunden, Netzwerkpartnern und Projekten weitergehen? Wer soll das übernehmen? Macht es Sinn, bis zum Ende der Kündigungszeit zu bleiben, wenn gleichzeitig gesagt werden muss, dass Sie bald nicht mehr da sind? Welche Prioritäten sollen gesetzt werden? Wer sagt allen, dass Sie nicht mehr da sind?

Natürlich ist das eine fast übermenschliche Leistung, aber es wird Sie stärken. Sie haben dafür gesorgt, dass Sie geordnete Unterlagen übergeben haben und Ihre Kollegen weniger leiden. Gleichzeitig denken Sie an Ihre berufliche Zukunft: Die meisten Branchen sind klein – und wer als potenzieller neuer Arbeitgeber erfährt, dass Sie sich so anständig verabschiedet haben, zieht den Hut vor Ihnen.

Suchen Sie sich schnellstmöglich rechtliche Unterstützung und handeln Sie möglichst viel heraus – längere Kündigungsfrist, Abfindung – was immer geht. Dann haben Sie mehr Zeit für den nächsten Schritt.

3. So, nun haben Sie Zeit für sich selbst. Hier sollten Sie beginnen, darüber nachzudenken, was eigentlich passiert ist – und nicht gleich aktionistisch auf Stellenportalen nach einem neuen Job suchen oder sogar wahllos Bewerbungen verschicken. Natürlich machen Sie sich Sorgen, ob Sie zeitnah einen neuen Arbeitsplatz finden – und Sie ruhig können eine Stunde am Tag nutzen, den Arbeitsmarkt in Ihrer Region zu sondieren.

Viel wichtiger ist es jedoch zu diesem Zeitpunkt, sich Fragen zu stellen. Zum einen in Richtung Vergangenheit: Wie waren meine Erwartungen an die Firma? Welche Erwartungen hatten möglicherweise meine Vorgesetzten? Wie war die Zusammenarbeit mit den Kollegen? Hat mir die Arbeit wirklich gefallen? War ich über- oder unterfordert? Wie war das Betriebsklima? Haben Vorgesetzte oder Kollegen wertschätzend oder nicht mit mir gesprochen? Was hat das in mir ausgelöst? usw.

Und zum anderen in Richtung Zukunft: Was möchte ich wirklich machen, wenn ich frei wählen könnte? Welche Fähigkeiten und Stärken habe ich? In welchem Rahmen möchte ich arbeiten? In welcher Branche? In welcher Unternehmens- und Teamgröße? In welchem Radius von meinem Wohnort? Oder bin ich bereit, umzuziehen? Möchte ich etwas ganz anderes machen? Wer bin ich als Person? Welche Träume habe ich noch im Leben? Wofür könnte die Kündigung gut gewesen sein? Hilfreich ist hier die Erstellung Ihres LUXXprofile. Mehr dazu sehen Sie hier: https://www.anke-lueneburg.de/potenziale-coaching/potenzialanalyse-mit-luxx-profile/ .

Sie merken, das sind z.T. schwere Fragen. Suchen Sie sich einen Sparringspartner zum Austausch, z.B. einen guten Freund oder Freundin, der/die Sie gut kennt, aber auch bereit ist, offen und ehrlich mit Ihnen zu sprechen. Üben Sie die Selbstreflexion (mehr dazu lesen Sie hier: https://www.anke-lueneburg.de/blog/news/wie-fuehre-ich-mich-selbst/ ) und machen Sie Übungen dazu, wie z.B. im Lerntagebuch meines Buchs: https://www.anke-lueneburg.de/buch-auf-dem-weg-zur-fuehrungskraft/ .

Oder Sie suchen sich eine/n professionellen Coach, der oder die sich mit systemischen und beruflichen Fragen auskennt und mit Ihnen die Situation bearbeitet. Dort können Sie auch über Ihre Verletzungen sprechen, die durch den negativen Umgang mit Ihnen entstanden sind, und Ihre Emotionen richtig einordnen. Und Sie können durch das Coaching Ihre Stärken und Werte erarbeiten – vielleicht stellt sich sogar heraus, dass Ihre Werte in keinster Weise mit denen Ihres ehemaligen Unternehmens zusammenpassten?

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für diesen Schritt, auch wenn Sie etwas in die Arbeitslosigkeit rutschen sollten. Das ist es wert!

4. Nun wissen Sie, was Sie können und wollen, was Ihnen wichtig ist und wer Sie sind. Nun können Sie gezielt Bewerbungen an Unternehmen schicken – auch ohne Stellenanzeige -, die hinsichtlich Branche, Größe, Werten etc. zu Ihnen passen. Diese Bewerbungen schreiben Sie mit sehr viel Sorgfalt, ggf. nochmals mit Unterstützung, so dass die Unternehmen wahrnehmen, dass Sie sich sehr mit ihnen beschäftigt haben, ob Sie zusammenpassen. Sie werden erleben, dass Sie Einladungen zum Vorstellungsgespräch bekommen, auch wenn es „eigentlich“ keine Stelle gibt…..

Und dann ist es natürlich wichtig, auch die Gespräche sehr intensiv und genau vorzubereiten – das wird Ihnen nicht schwer fallen, denn jetzt wissen Sie ja, wer Sie sind und was Sie können!

Eine Bitte: Seien Sie geduldig mit sich und mit interessanten Unternehmen. Es lohnt sich!

5. Nun haben Sie eine sehr interessante, vielleicht auch anstrengende Zeit hinter sich gebracht. Es geht Ihnen wieder gut, Sie haben eine neue Stelle – auch wenn es gedauert hat. Sie haben sich selbst gefunden und können nun durch Ihre neue Kraft anderen helfen – vielleicht Ihren ehemaligen Kolleg/innen?

Da mit Ihnen nicht offen und ehrlich über Ihre Kündigung gesprochen wurde, ist vielleicht auch der allgemeine Umgang mit Mitarbeitenden dieses Unternehmens ähnlich. Das bedeutet, Ihre Ex-Kolleg/innen könnten Unterstützung und Zuspruch von Ihnen gebrauchen, um mit Mut ihren eigenen Weg zu finden.

Fazit

Wenn Sie zurückblicken, stellen Sie fest, wie Sie sich weiterentwickelt haben. Sie konnten eine wichtige Lebenserfahrung machen und haben davon profitiert. Und das geht nur, wenn man sich trotz des Schocks und der Angst, keinen neuen Arbeitsplatz zu finden, genügend Zeit nimmt, nachzudenken, wer man ist, was man kann und wo es hingehen soll. Sonst nimmt man eine ähnliche Stelle in einem ähnlichen Unternehmen an und alles geht von vorne los….

Haben Sie Mut und gehen Sie diesen Weg, falls Sie betroffen sind – und stärken Sie andere, wenn Sie es geschafft haben!

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