Wie führe ich mich selbst?

Und was habe ich davon? In vier Schritten zu effektiver Selbstführungskompetenz

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Immer häufiger heißt es neuerdings, dass Führungskräfte sich selbst gut führen sollen, um dann als Führungskraft erfolgreicher zu sein. Also Selbstführung als Voraussetzung für gute Mitarbeiterführung. Nur: Was steckt dahinter?

Selbstführung ist nicht nur für Führungskräfte eine wichtige Voraussetzung, sondern für alle, die Projekte leiten und mitgestalten oder die in Unternehmen mit flachen Hierarchien arbeiten.

Ohne Selbstführungskompetenzen können Ziele nicht oder nur wenig effektiv erreicht werden. Wie kommen Sie also dahin?

1. Selbstwahrnehmung: Die richtigen Fragen stellen und Antworten finden

Wichtige Fragen hinsichtlich Selbstführung sind beispielsweise:

  • was sind meine Stärken?
  • wer bin ich in meinen verschiedenen Rollen als Ingenieurin, Abteilungsleiter, als Privatperson, als ehrenamtliche Vereinsvorsitzende?
  • Wie und wo arbeite ich am besten?
  • Wie führe ich mich selbst?

Das Ziel der Selbstführung ist es, ein eigenes Profil als Führungskraft zu entwickeln, eine innere Haltung, die Ihr Sinnverständnis von Führung in allen Handlungen widerspiegelt. Wenn Sie (nicht nur) als Führungskraft gelernt haben, sich selbst zu reflektieren, Ihre eigenen (unbewussten) Verhaltensmuster zu erkennen und gegebenenfalls zu überwinden, wenn Sie Ihre eigene Persönlichkeit kennen und annehmen, dann können Sie Ihr eigenes Handeln bewusst steuern, unabhängig entscheiden und angemessen (und nicht hoch emotional) in schwierigen Situationen reagieren.

Wer sich selbst kennt, hat ein realistisches Bild von sich selbst, das mit dem Fremdbild anderer übereinstimmt.

2. Selbstwert und Selbstvertrauen verbessern: Glaubenssätze umwandeln

Wir sind alle mit sogenannten Glaubenssätzen aufgewachsen. Das sind “Richtlinien“ aus der Kindheit, die uns oft noch unbewusst steuern. Beispiele sind „sei stark“, „Männer weinen nicht“, „sei perfekt“ oder „traue niemandem“. Durch diese Richtlinien glauben wir, dass wir nur ok sind, wenn wir perfekt, misstrauisch, stark o.ä. sind.

Menschen, die diese Glaubenssätze ausfindig gemacht haben, können sie bewusst ausschalten und sogar in “Erlaubersätze“ umformulieren: „ich darf vertrauen“, denn die Lebenserfahrung meiner Eltern ist nicht meine; oder“ ich darf Fehler machen“, auch wenn ich das früher nicht durfte.

Im heutigen Zeitalter des agilen Führens von Teams mit großen Freiräumen und Jungen Mitarbeitern, die Ziele hinterfragen, braucht eine Führungskraft Vertrauen in ihre Mitarbeiter, um erfolgreich zu sein. Und: Zum Vertrauen gehört auch Selbstvertrauen! Ohne ein stabiles Selbstwertgefühl bzw. Selbstvertrauen kann nicht gut geführt werden. Damit ist die Reflexion der eigenen Werte und der Aufbau von Selbstwert ein weiterer wichtiger Schritt zu Selbstführung.

3. Selbstfürsorge

Gute Führungskräfte (und Mitarbeiter) sorgen auch für sich selbst, denn sie wissen, dass sie nicht gut führen, wenn sie erschöpft sind oder unter großem Druck ein gestresstes Verhalten entwickeln. Sie bewerten Zeit für sich selbst als ebenso wichtig wie Zeit für ihr Unternehmen. Zeit für sich selbst bedeutet jedoch nicht, Dinge zu tun, die “man tut“, weil es gesellschaftlicher Trend ist. Wenn Sie sich im Fitnessstudio gestresst fühlen (und der Gedanke ans Hingehen Sie lieber zwei Stunden länger arbeiten lässt), ist das definitiv keine Entspannung für Sie - dann gehen Sie lieber im Wald oder im Park spazieren, wenn das Ihnen mehr entspricht.

4. Gutes Selbstmanagement

Führungskräfte oder Mitarbeiter, die sich selbst managen, können selbstständig Ziele setzen und sie visualisieren. Sie entwickeln damit konstruktive Verhaltensmuster, die ihnen ihren Weg aufzeigen. Sie sind bereit, die Verantwortung für die Umsetzung zu übernehmen, können fokussiert handeln und Prioritäten setzen. Durch gutes Zeitmanagement können sie ihre Projekte und Sitzungen gut planen und effektiv und effizient durchführen. Auch das Delegieren von Aufgaben inklusive Verantwortung gehört dazu. Sie sind in der Lage, sich selbst mit dem Bewusstsein ihrer eigenen Stärken und Werte zu steuern, um ihre Ziele zu erreichen.

Was ist nun der Nutzen von Selbstführung?

Sie werden erleben, dass sich Ihr Führungs- oder Projektalltag leichter gestalten und strukturieren lässt. Sie vermeiden Konflikte, da Sie Mitarbeiter besser verstehen und leichter gemeinsame Ziele erreichen können. Sie führen Sitzungen effektiv und effizient durch, erhöhen die Bindung der Mitarbeiter an Ihr Unternehmen und gewinnen Zeit für strategische Überlegungen. Menschen, die sich selbst gut führen, sind proaktiv, dynamisch, ausdauernd und emotional stabil.

Natürlich erfordert es Mut, sich mit sich selbst beschäftigen! Wer jahrelang mit einer Maske gearbeitet hat, tut sich meist schwer, sie abzulegen - manchmal erfolgt es erst durch eine Krankheit oder einen Burn-out (Erschöpfungsdepression).

Wenn Sie jedoch mutig sind und entscheiden, sich mit sich selbst zu beschäftigen, wird sich Ihr Arbeitsalltag und Ihre Führungsqualität verbessern - zum eigenen Wohl und dem Ihrer Mitarbeiter.

Sie stärken Ihr (Selbst-)vertrauen, gewinnen eine positive Haltung sich selbst gegenüber, können Ängste und Gefühle der Unsicherheit verringern und lernen andere Sichtweisen als Bereicherung der eigenen Persönlichkeit kennen. Auch die Kommunikation mit Ihren Mitarbeitern und der Umgang mit konstruktiver Kritik wird sich verbessern - und somit sparen Sie viel Zeit für wichtigere Themen.

Und wie kommen Sie dahin?

Beantworten Sie alle Fragen und Anregungen aus den Punkten 1-4, starten Sie Ihr Selbstmanagement, beschäftigen Sie sich mit Ihren Glaubenssätzen, Ihren Stärken und Werten. Zusätzlich können Sie folgendes machen:

Stellen Sie sich Ihre ideale berufliche Situation vor: Gewinnen Sie Klarheit darüber, was Sie gern mögen und stellen Sie als Kontrast alles gegenüber, was Sie nicht mögen. Wenn es Ihnen Spaß macht, können Sie das auch jeweils für Ihre ideale familiäre und freundschaftliche Situation durchführen.

Der Faktor Zeit

Um sich mit all diesen Fragen zur eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen, sollten Sie sich Zeit nehmen. Wenn Sie glauben, dass Sie gut allein reflektieren können, ist eine Auszeit allein empfehlenswert, zum Beispiel ein Wochenende in einem Kloster, in einer Hütte in den Bergen oder am Strand. Hier ist Ihr Wunsch ausschlaggebend, Menschen zu gewissen Zeiten zu sehen oder lieber nicht. Hier können Sie sich zurückziehen, mit Ruhe und Abstand nachdenken und Antworten finden.

An einem solchen Ort können Sie sich auch begleiten zu lassen, um gemeinsam mit einem Sparringspartner (Coach) zu reflektieren und „laut zu denken“. Das ist für den allerersten Rückzug hilfreich, wenn Sie mit dem Alleinsein noch nicht vertraut sind oder ein „Abschweifen“ befürchten. Hier können z.B. Wochenenden in bestimmten Abständen verabredet werden.

Manche Führungskräfte ziehen sich einmal jährlich zurück und nutzen die Zeit, um auch über Entwicklungen und Trends, die das Unternehmen betreffen, nachzudenken. Der Abstand vom Unternehmen und von Zuhause trägt zum Erfolg der Reflexion bei.

Eine weitere Möglichkeit ist die Begleitung durch professionelles Coaching während weiterhin gearbeitet wird. Hier sind jeweils halbe Tage im Abstand von 2-3 Wochen sinnvoll, am besten vor den Wochenenden, damit an den freien Tagen das Denken und Reflektieren fortgesetzt werden kann.

Resumee

Selbstführung bedeutet, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen, mit sich selbst im Reinen zu sein und damit weniger stressanfällig zu sein. Durch die Visualisierung Ihres persönlichen Erfolges können Sie zielgerichtet handeln und somit erfolgreich Menschen führen und Projekte leiten. Sie wirken positiv auf Ihre Mitarbeiter ein, denn diese lassen sich von Ihnen inspirieren und motivieren. Nicht selten entsteht bei ihnen der Wunsch, auch selbst Selbstführung zu lernen.

Mehr dazu werden Sie in meinem Buch "Auf dem Weg zur Führungskraft" (Springer Fachmedien, ISBN-Nummer: 973-3-658-21985-7).

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Entdecken Ihrer Persönlichkeit!

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