Was ist eigentlich eine Führungspersönlichkeit?

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Oft hört und liest man von einer „Führungspersönlichkeit“. Nur: Was oder wer soll das sein? Sind damit die Patriarchen gemeint, die nach dem 2.Weltkrieg ihre eigenen Unternehmen aufgebaut und geführt haben? Oder die Speditionschefin, die alle Mitarbeiter wie eine „Mutti“ umsorgt?

Persönlichkeit

Das Schlüsselwort lautet „soziale Kompetenz“. Und die bildet sich nur, wenn ein Mensch eine "Persönlichkeit" ist bzw. seine Persönlichkeit weiterentwickelt. Persönlichkeit hat nichts mit dem Alter zu tun, denn auch ein Kind kann schon eine Persönlichkeit sein. (Zukünftige) Führungskräfte sollten nicht nur ein umfassendes Fachwissen, sondern auch eine Persönlichkeit und psychologisches Wissen besitzen, um gut führen zu können.

Eine echte Persönlichkeit zeichnet sich durch natürliche Autorität aus, d.h. sie ist widerstandsfähig, bringt Mut mit, um auch schwierige Entscheidungen zu fällen sowie auf der nächsten Hierarchieebene durchzusetzen und zeigt sich offen für Fehler gegenüber den Mitarbeitenden. Eine echte Persönlichkeit ist authentisch und entspricht dem Bild, das sich die Mitarbeitenden von ihr machen. Führungskräfte, die sich stetig verstellen, leiden unter großer Anspannung, während die Mitarbeitenden spüren, dass sich ihre Vorgesetzten verstellen. Somit kommt es zu Schwierigkeiten in der Kommunikation und in der Zusammenarbeit, während gleichzeitig bei der Führungskraft physische, ggf. auch psychische Probleme entstehen können.

Zwei verschiedene Persönlichkeitstypen nach Crisand

Die eine Person ist egozentrisch: Sie gibt vor, stark zu sein. Zu ihren Verhaltensweisen gehören u.a. Fehlervertuschungen, Schuldzuweisungen, Arroganz, starre Meinungen, Ablehnung von Kritik, sich über andere stellen, Brüllen und Schreien, viel reden, im Mittelpunkt stehen wollen und von eigenen Problemen ablenken.

Die andere Person ist stark: Sie gesteht Fehler ein, ist tolerant und umgänglich, hat eine natürliche Autorität, übernimmt Verantwortung, hört zu und hat Interesse für andere, ist partnerorientiert und lässt andere gut aussehen, geht Probleme an und übt sachliche Kritik. Auch diese Persönlichkeit hat Macht und Erfolg zum Ziel, aber zusammen mit dem Team, als "Leader", der das Team motiviert, ihm die Richtung vorgibt und ihm vertraut.

Beiden Persönlichkeiten begegnen Menschen auch im privaten Umfeld, z. B. in Vereinen oder in der ehrenamtlichen Politik. Die eine Persönlichkeit will sich profilieren, "sich ein Denkmal setzen", ggf. von eigenen Fehlern ablenken. Die andere, "echte" Persönlichkeit will sich für das Gemeinwohl engagieren und Entscheidungen treffen, von denen möglichst viele profitieren. Sie denken zukunftsorientiert und machen sich Gedanken, wie eine Institution weiterentwickelt werden kann.

Mögliche Ursachen für die Entwicklung zur egozentrischen Persönlichkeit können in Verletzungen in der Kindheit liegen. Diese Menschen haben ihr Bedürfnis nach Liebe und Wärme von sich abgespalten, um den Schmerz nicht mehr zu spüren. Da sie immer stark sein wollen, brauchen sie Gegner, um sich immer wieder ihren Selbstwert zu beweisen (Crisand 1996, S.21).

Sozial kompetente Führungskräfte

Die Führungskräfte, die echte Persönlichkeiten sind, können

  • sich auf neue Mitarbeiter und neue Abteilungen einstellen
  • die Absichten anderer richtig einschätzen und hinterfragen (denn Menschen sagen ja nicht immer, was sie denken, insbesondere gegenüber Vorgesetzten)
  • die Konsequenzen des eigenen Verhaltens auf die Mitarbeiter erkennen
  • die Bedeutung und die Funktion verschiedener Rollen in einem Team erkennen und u.a. für einen sozialen Rollenträger („Kümmerer“) sorgen
  • eine Team-Rolle übernehmen, wenn ein Rollenträger fehlt
  • Initiative entwickeln, auch wenn es nicht ihren eigenen Bedürfnissen entspricht (z.B. Essen gehen mit dem Team, auch wenn er oder sie lieber nach Hause gehen würde)
  • Entscheidungen treffen
  • Sich für Vorteile von Partnern einsetzen
  • Integrativ wirken (also keine Keile zwischen Mitarbeiter treiben)
  • Sich um unauffällige, stille Mitarbeiter („graue Maus“) kümmern und ihr oder ihm den angemessenen Platz verschaffen
  • Konfliktsituationen wahrnehmen, ertragen und lösen (und nicht aussitzen!)

Auswirkung in der Arbeitswelt

In unserer Gesellschaft wird (äußere) Stärke bewundert, daher haben die egozentrischen Persönlichkeiten häufig Erfolg als Führungskraft. Auf der anderen Seite ist durch die Zunahme von psychischen Erkrankungen (Statistik) sowie die häufigere Inanspruchnahme von beruflichen Coachings ein Zeichen für ein Ungleichgewicht zwischen einem Erfolg von einzelnen Personen und dem Leiden anderer.

Spätestens seit den 1990er Jahren arbeitet die Wissenschaft daran zu beweisen, dass die Persönlichkeiten des zweiten Typs ebenso zum Unternehmenserfolg beitragen wie der ersten Typ. Denn nur wenn Mitarbeitende möglichst optimale Leistungen erbringen, können auch die Unternehmensziele optimal erreicht werden.

Erfolg durch Coaching

Meine Aufgabe als Coach sehe ich in der Begleitung von Führungskräften, die an ihrer Persönlichkeit und ihrer sozialen Kompetenz arbeiten möchten – und in der Unterstützung der Menschen, die unter „unechten“ Führungspersönlichkeiten leiden. Das Coaching soll Fach- und Führungskräften Mut machen, den eigenen Weg zu gehen und eine echte Persönlichkeit zu werden oder zu bleiben.

Ein Team – und ein Unternehmen - aus lauter echten Persönlichkeiten wird unglaublich erfolgreich sein!

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