Was tun, wenn mich Existenzangst und Sorgen vor der Zukunft durch die Corona-Krise lähmen und einschränken?

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Fünf Wege, wie wir gut mit unseren Ängsten umgehen lernen und neue Kraft entwickeln

Je länger wir darüber nachdenken, welche Folgen die Corona-Krise jetzt schon für unser Leben, unsere Familien, unsere Unternehmen hat, desto mehr fällt uns ein – vor allem, weil wir nicht wissen, wie lange das alles dauern wird.

Die Reise in den Osterferien ist abgesagt – kann unser Lieblingshotel überleben? Können wir im Sommer verreisen, wenn wir jetzt in Kurzarbeit gehen? Kommen wir mit unserem neuen Nettogehalt zurecht? Haben wir überhaupt noch Urlaubstage, wenn wir jetzt unsere Kinder betreuen? Werden unsere alten Eltern es schaffen, gesund zu bleiben? Halten wir als Volk durch, immer zuhause zu bleiben oder macht uns das irgendwann krank?

Jedoch: Wir sind noch alle tapfer und reden (meistens) nicht über unsere Ängste: Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten unseres Landes, Angst vor dem möglichen Verlust nahestehender Menschen und eigener Erkrankung, Sorge, unsere finanziellen Verpflichtungen nicht mehr tragen zu können, Angst, unsere Selbständigkeit zu verlieren – kurz, pure Existenzangst.

Wir wollen unsere Emotionen nicht zeigen, keine Traurigkeit, keine Verzweiflung – höchstens Wut und Zorn. Das ist gesellschaftlich akzeptabel. Außerdem müssen wir stark sein für alle anderen: Als Chefin, als Vater, als Inhaberin oder als Sohn. Gleichzeitig wollen wir gern etwas tun – und wissen nicht, was (außer Sie sind in einem systemrelevanten Beruf tätig). Das kennen wir sonst nicht, daher macht es uns zusätzlich unruhig und nervös.

Damit Sie nicht von innen her platzen oder körperlich auf Ihre Sorgen durch Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen reagieren, zeigen ich Ihnen fünf Wege, wie Sie gut mit Ihren Ängsten umgehen können – und letztendlich aus der Corona-Krise neue Kraft schöpfen können.

  1. Akzeptieren Sie, dass Sie jetzt nichts tun können außer die Situation auszuhalten, zuhause zu bleiben, nur die nötigsten Wege zu gehen, Abstand zu anderen zu halten. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, sich immer zu fragen „Was kann ich tun?“, um die Zukunft zu bewältigen. Das ist in vielen Fällen gut – manche Lebensfragen und insbesondere diese Krise lassen sich jedoch nicht schnell und einfach lösen. Wir sind Effizienz gewohnt, klare Ergebnisse, Deadlines, schnelle Erledigung unserer Aufträge. Und nun? Hinsichtlich der Corona-Viren-Entwicklung gibt es (noch) keine Antworten, wann der aktuelle Virus besiegt ist, wann die Beschränkung des öffentlichen Lebens vorbei ist, wie lange die Kurzarbeit dauert. Das empfinden wir als bedrohlich. In normalen Zeiten vermeiden wir solch unklare Situationen – jetzt können wir es nicht, wir müssen es aushalten. Aber: Wir können es auch! Denn was uns beunruhigt, sind die vielen Meinungen und Urteile über die aktuelle Situation. Wenn wir uns davon lösen, uns sagen „ok, jetzt gibt es keine Lösung“ und zulassen, dass dieses Gefühl unangenehm ist – dann können wir akzeptieren, dass die derzeitige Situation sehr komplex ist – zu komplex für eine einfache Lösung. Versuchen Sie, auf vertraute Denkgewohnheiten zu verzichten – und lernen Sie, Ihren Wunsch nach einer Lösung loszulassen. Im Moment ist es Ihre Aufgabe, das Nichts-ändern-können auszuhalten.
  2. Es ist ok, Zukunftsängste zu haben. Und daraus entwickeln wir neue Kraft. Schon länger herrscht in Deutschland das Gefühl vor, dass wir in unsicheren Zeiten leben. Anschläge, die rasante Beschleunigung, die Folgen der Wirtschaftskrise. Das Lebensgefühl ist instabiler geworden, obwohl wir unsere eigene Entwicklung (bisher) positiv einschätzen. Denn die können wir selbst beeinflussen! Und in der jetzigen Krisensituation glauben wir es nicht zu schaffen. Ja, wir können nur wenig tun (siehe Punkt 1) – aber wir können lernen, wie wir aus der Krise Kraft für die Zukunft schöpfen. Wer wie wir eine so schwere Krise erlebt (oder wie unsere Eltern oder Großeltern den 2.Weltkrieg und seine Folgen oder Flüchtlinge Bürgerkriege), lernt mit Belastungen und Probleme umzugehen. Auch Entbehrungen, die zweifellos auf uns zukommen, können uns stärken – insbesondere, wenn die Krise überwunden ist (lesen Sie dazu Wie schaffen wir es, gut durch eine große Krise zu kommen, die wir alle noch nie erlebt haben? . Wir haben dann das Gefühl, das Schlimmste liegt hinter uns, es geht aufwärts – und das kann neue Ideen und Innovationen freisetzen. Wenn also unsere eigene Erwartung an die Zukunft hoch ist („es kann nur besser werden“), stärkt es unseren Optimismus. Ja, der Weg ist noch lang und wir wissen nicht, wie lang – und daher ist es völlig ok, jetzt Angst zu empfinden. Wenn wir an eine gute Zukunft glauben, werden wir wieder handlungsfähig.
  3. Wenn Sie andere Menschen führen: Seien Sie ehrlich. Und richten Sie Ihre Mitarbeitenden auf. Sprechen Sie offen und ehrlich darüber, dass auch Sie sich Sorgen machen und spielen Sie die Bedrohung durch den Virus nicht herunter. Menschen spüren, wenn gelogen oder Informationen versteckt werden, z.B. über die Zukunft des Unternehmens. Sagen Sie offen, dass Sie und die anderen Führungskräfte auch noch nicht wissen, wie lange die Corona-Krise anhält. Zeigen Sie gleichzeitig, dass Sie über Alternativen nachdenken, wie es zukünftig weitergehen kann. Sprechen Sie über Ihre Ziele: Sie wollen das Unternehmen erhalten, Sie wollen alle Arbeitsplätze erhalten, ebenso die Kunden. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden die Sicherheit, dass Sie sie aufgrund ihrer Kompetenzen behalten wollen – und dass Sie gleichzeitig ihre Hilfe brauchen, damit Sie gemeinsam die Krise überstehen. Das bedeutet Kurzarbeit, Stundenabbau, vielleicht Zwangsurlaub – aber eben keine Kündigung oder sogar Schließung des Unternehmens. Strahlen Sie trotz allem Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen aus, dass es aufwärts gehen wird – damit helfen Sie den Mitarbeitenden, die Zeit besser durchzustehen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und ihre Ängste zu reduzieren. Wenn jemand weiß, dass er trotz geringerem Gehalt bleiben (und damit sein Haus weiterhin abbezahlen kann), wird er besser mit der Situation umgehen können. Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitenden, in der Gruppe oder einzeln, über ihre Sorgen. Zuhören ist ein großes Geschenk.
  4. Gehen Sie in die Stille und gönnen Sie sich eine „heilige Zeit“. Machen Sie einen Spaziergang, setzen Sie sich in einen Park oder in Ihren Garten. Beobachten Sie die Natur, genießen Sie die Sonne und versuchen Sie, Ihre Ängste während dieser Zeit wegzuschieben. Konzentrieren Sie sich auf Pflanzen, Vögel, eine schöne Umgebung und schweigen Sie. Die Gedanken über die Zukunft dürfen nach dieser Zeit wiederkommen – und dann werden sie umgewandelt in konkrete Pläne (siehe Punkt 2). Gönnen Sie sich diese Zeit möglichst jeden Tag – und wenn es nur 15 min sind.
  5. Suchen Sie sich einen kleinen Kreis von Menschen, mit denen Sie offen (online) sprechen können. Tauschen Sie sich aus, erzählen Sie, was Sie bewegt und geben Sie sich gegenseitig mentale Unterstützung. Hören Sie einander wirklich gut zu und stärken Sie sich gegenseitig.
    Wenn Sie niemanden haben, dem Sie so vertrauen, um solche Gespräche zu führen, suchen Sie sich einen professionellen Online-Austausch. Das bieten derzeit viele Coaches und Berater an .

    Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Zuversicht beim Gehen der fünf Wege!

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